Katrine Komischke, Paul A. Boelen, Fiona Maccallum, Maja O'Connor 

Hintergrund: Trauerspezifische kognitive Verhaltenstherapien (GF-CBT) haben sich bei der Behandlung der Anhaltenden Trauerstörung (PGD) als wirksam erwiesen. Jedoch wissen wir wenig über die relative Wirksamkeit verschiedener Durchführungsformen.

Während die Evidenz für die individuelle GF-CBT (GF-CBT individuell) gut belegt ist, gibt es für die Gruppen-GF-CBT (GF-CBT in der Gruppe) nur wenige Belege. Das Gruppenformat kann jedoch im Trauerkontext Vorteile haben. 
Ziel: Es soll untersucht werden, ob die GF-CBT in einer Gruppe der individuellen GF-CBT bei der Verringerung von PGD-Symptomen bei älteren Erwachsenen ebenbürtig ist. 
Design, Setting und Teilnehmende: Die Rekrutierung und Datenerhebung für diese randomisierte klinische Nichtunterlegenheitsstudie erfolgte von April 2021 bis Mai 2025. Die Teilnehmenden wurden im Verhältnis 1:1 der GF-CBT-Gruppe und der GF-CBT-Einzeltherapie zugewiesen und bis zu 6 Monate nach der Behandlung nachbeobachtet. Die Rekrutierung und die Behandlung fanden unter realen, alltäglichen Bedingungen statt. Die Teilnehmenden waren ältere Erwachsene (65 Jahre oder älter) mit einem Trauerfall, die anhand festgelegter Grenzwerte in Selbstauskunftsfragebögen klinisch relevante Ausprägungen von PGD, posttraumatischer Belastungsstörung (PTSD), Depression und/oder Angst aufwiesen. Die Daten wurden von Juni 2025 bis August 2025 analysiert. Interventionen: Die GF-CBT-Gruppen- und die GF-CBT-Einzeltherapie umfassten jeweils 12 wöchentliche Sitzungen (Dauer: 2 Stunden bzw. 1 Stunde) und beinhalteten dieselben Interventionstechniken in derselben Reihenfolge (Exposition, kognitive Umstrukturierung und Verhaltensaktivierung). 
Zentrale Ergebnisindikatoren und Messinstrumente: Die Ergebnisse wurden vor der Behandlung, nach der Behandlung sowie bei der Nachuntersuchung nach 3 Monaten und nach 6 Monaten als primärer Endpunkt gemessen. Das primäre Ergebnis waren PGD-Symptome, gemessen mit dem Fragebogen „Prolonged Grief-13“. Zu den sekundären Ergebnissen gehörten Symptome von PTBS, Depression, Angst, Einsamkeit, soziale Unterstützung, funktionelle Beeinträchtigung, Lebensqualität und Wohlbefinden. 
Ergebnisse: Teilnehmer (N = 113; Durchschnittsalter [SD]: 71,58 [5,86] Jahre; 92 Frauen [81,4 %], 20 Männer [17,7 %] und bei 1 Person [0,09 %] lagen keine Angaben zum Ge-schlecht vor) wurden randomisiert der GF-CBT-Gruppe (n = 56) oder der GF-CBT-Einzeltherapie (n = 57) zugeordnet. Gemischte lineare Modelle für die Intention-to-treat-Stichprobe zeigten, dass beide Formate im Zeitverlauf zu statistisch signifikanten starken Reduktionen der PGD-Symptome führten (GF-CBT-Gruppe: d = 1,74; GF-CBT-Einzeltherapie: d = 1,46). Die GF-CBT-Gruppe war im Vergleich zur GF-CBT-Einzeltherapie (d = 0,09; 95 % KI, -0,06 bis 0,25) bei der Nachuntersuchung nach 6 Monaten nicht unterlegen. Die Nichtunterlegenheit der GF-CBT-Gruppe wurde für alle sekundären
Endpunkte nachgewiesen. Die Abbruchraten betrugen 23 % (GF-CBT-Gruppe) gegen-über 19 % (GF-CBT-Einzeltherapie). 
Schlussfolgerungen und Relevanz: In dieser Studie war die GF-CBT-Gruppe bei der 6-monatigen Nachuntersuchung der individuellen GF-CBT nicht unterlegen, was die Verringerung der PGD-Symptome, aber auch der Symptome von PTBS, Depression und Angst betrifft. Beide Formate zeigten im Zeitverlauf große Auswirkungen auf die Symptome und scheinen relevante Behandlungsformate für ältere Erwachsene mit Symptomen von PGD und anderen Störungen nach einem Verlust zu sein. 

Komischke, K., Boelen, P. A., Maccallum, F., O'Connor, M. (2026). Group Vs Individual Grief-Focused Cognitive Behavioral Therapy for Older Adults: A Randomized Clinical Trial. JAMA Psy-chiatry, Vol. 83, Nr. 3, S. 229-237. doi: 10.1001/jamapsychiatry.2025.4106. 

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